Ein hochauflösender Clip kann trotz schneller SSD beim Abspielen stocken, weil seine Kompression viel Rechenarbeit verlangt. Ein Proxy ist eine abgeleitete Arbeitskopie, die sich leichter wiedergeben lässt. Er kann eine kleinere Auflösung oder einen schnittfreundlicheren Codec verwenden. Die Schnittentscheidungen sollen dabei auf das Original zurückführbar bleiben. Proxys sind deshalb ein organisierter Arbeitsweg und nicht einfach irgendein kleiner Videoexport.
Erst das eigentliche Problem prüfen
Spiele einen einzelnen Clip ohne Effekte ab und reduziere testweise die Vorschauauflösung. Wenn nur eine aufwendige Rauschreduktion die Timeline verlangsamt, löst ein Proxy nicht zwingend den Engpass. Wenn bereits die unveränderte Datei stockt, kann die Medienverarbeitung ein sinnvoller Ansatzpunkt sein. Prüfe außerdem, ob das Laufwerk tatsächlich erreichbar ist und nicht gerade andere große Aufgaben erledigt.
Erzeuge zunächst einen Proxy für einen repräsentativen Clip. Wähle dazu die vorgesehene Proxyfunktion des Schnittprogramms. Ein beliebiger Export kann sich in Bildrate, Dauer, Audiokanälen oder Zeitinformationen unterscheiden. Solche Abweichungen erschweren die Verbindung und können später falsche Ausschnitte oder fehlenden Ton verursachen.
Zuordnung und Eigenschaften erhalten
Original und Proxy brauchen eine eindeutige Beziehung. Bewahre die Originaldateien unverändert auf und lege Arbeitskopien in einen klar benannten Bereich. Bei identischen Dateinamen verschiedener Kameras muss die Ordnerstruktur diese Unterschiede erhalten. Ein manueller Austausch nach dem Prinzip „sieht ungefähr gleich aus“ ist für größere Projekte zu unsicher.
Prüfe nach dem Erstellen Anfang, Mitte und Ende des Clips. Schalte zwischen Original und Proxy um und beobachte Bildausschnitt, Dauer und Synchronität. Die geringere Schärfe ist erwartbar; ein anderer Bildinhalt oder ein verschobener Ton ist es nicht. Bei Mehrkanalton kontrolliere, ob die notwendige Kanalstruktur unterstützt wird.
Proxys gezielt zum Schneiden verwenden
Für Auswahl, Rhythmus und viele einfache Übergänge reichen leichtere Dateien aus. Für kritische Schärfe, feine Masken, starke Farbkorrektur oder Kompressionsbeurteilung solltest du wieder das Original betrachten. Eine weiche Proxyvorschau kann sonst zu einer unnötigen Nachschärfung führen, die auf dem Original zu stark wirkt.
Ein sichtbares Proxykennzeichen kann helfen, den aktuellen Zustand zu erkennen. Es sollte nur die Arbeitskopie betreffen und nicht versehentlich in der endgültigen Ausgabe landen. Kontrolliere, wie das jeweilige Programm Proxys beim Export behandelt. Verlasse dich nicht darauf, dass alle Programme oder Presets automatisch denselben Weg wählen.
Einen Export mit Originalen prüfen
Stelle vor der Abgabe sicher, dass die Originalmedien online sind und die Ausgabe aus ihnen erfolgt, sofern dies der geplante Qualitätsweg ist. Exportiere zuerst einen kurzen schwierigen Abschnitt mit Schrift, Bewegung und Details. Vergleiche ihn mit dem Original im Projekt und prüfe Auflösung sowie Bildausschnitt.
Wenn der Originalpfad fehlt, repariere die Verknüpfung gezielt. Ein Proxy darf nicht unbemerkt zur einzigen verfügbaren Quelle geworden sein. Bewahre deshalb Originale und ihre Sicherungen unabhängig vom Proxyordner auf. Proxys können später oft neu erzeugt werden; verlorene Kameraoriginale nicht.
Für die Übergabe an einen anderen Rechner dokumentiere Programmversion, Proxyformat und Speicherorte. Prüfe das Öffnen mit der tatsächlich übertragenen Ordnerstruktur. Ein flüssiger Schnitt auf dem ersten Rechner ist nur die halbe Aufgabe; die Verbindung muss auch nach Kopieren oder Archivieren verständlich bleiben.
Einen falschen Proxy erkennen
Ein typischer Fehler wird erst beim Umschalten sichtbar: Das Original zeigt den Beginn einer Antwort, der vermeintlich passende Proxy bereits deren zweiten Satz. Gleiche Dateinamen können hier eine falsche Zuordnung verdecken. Vergleiche Dauer, Kamerakennung und den ersten erkennbaren Bildinhalt. Trenne die falsche Verknüpfung und ordne die Arbeitskopie über den vorgesehenen Dialog neu zu. Benenne nicht einfach Dateien um, bis die Fehlermeldung verschwindet.
Prüfe auch, ob ein Proxy aus einer bereits geschnittenen Sequenz statt aus dem vollständigen Quellclip erzeugt wurde. Er besitzt dann einen anderen Zeitbezug. Ein sauberer Test mit einem einzigen Clip zeigt solche Fehler früh und verhindert, dass hunderte Arbeitskopien mit derselben falschen Vorgabe erstellt werden.