Nach einem Dreh zeigt das Schnittprogramm Vorschaubilder aller Clips. Das beweist noch nicht, dass die Dateien an einem sicheren Arbeitsort liegen. Manche Programme verweisen weiterhin direkt auf die Speicherkarte. Wird sie entfernt oder formatiert, fehlen die Medien. Ein geordneter Ingest trennt deshalb Kopieren, Prüfen und Importieren in nachvollziehbare Schritte, auch wenn eine Software mehrere davon automatisch erledigen kann.
Für jede Karte einen eigenen Platz anlegen
Erstelle einen Projektordner und darin eindeutig bezeichnete Kartenordner, beispielsweise nach Drehtag, Kamera und Kartennummer. Kopiere den gesamten benötigten Karteninhalt einschließlich zugehöriger Unterordner. Manche Kameras verteilen lange Aufnahmen auf mehrere Dateien oder verwenden zusätzliche Metadaten. Einzelne Videodateien aus einer solchen Struktur herauszupicken kann den späteren Import erschweren.
Zwei Kameras können beide eine Datei namens C0001 erzeugen. Überschreibe deshalb keine Dateien nur wegen gleicher Namen. Die getrennten Kartenordner erhalten den Zusammenhang. Benenne Originaldateien nicht beiläufig während des Kopierens um, wenn das Aufzeichnungsformat oder die spätere Zuordnung darauf angewiesen sein könnte. Lesbare Beschreibungen können im Projekt oder in einer zusätzlichen Liste stehen.
Eine Kopie prüfen, bevor sie als vorhanden gilt
Vergleiche Anzahl und Größe der kopierten Dateien mit der Quelle. Eine Prüfsumme kann zusätzlich bestätigen, dass Quelle und Ziel für die geprüften Dateien identisch sind. Ein erfolgreich beendeter Kopierdialog allein entdeckt nicht jede falsche Auswahl. Wenn eine Kopiersoftware eine Verifikation anbietet, prüfe auch deren Ergebnisbericht.
Spiele repräsentative Clips ab: Anfang und Ende eines langen Takes, verschiedene Kameras sowie externe Tonaufnahmen. Diese Wiedergabe ergänzt den Datenvergleich, weil sie die praktische Lesbarkeit zeigt. Sie ersetzt keine vollständige Integritätsprüfung aller Dateien. Notiere klar, ob nur Stichproben oder tatsächlich sämtliche Dateien überprüft wurden.
Lege eine zweite Kopie auf einem getrennten Speichermedium an, bevor die Karte wiederverwendet wird. Zwei Ordner auf derselben SSD sind keine unabhängigen Speichermedien. Prüfe auch die zweite Kopie. Welche zusätzliche Aufbewahrung nötig ist, hängt vom Projektwert und den vorhandenen Abläufen ab; die einzige Originalkarte sollte nicht vorschnell freigegeben werden.
Vom Arbeitslaufwerk importieren
Importiere anschließend aus dem vorgesehenen Arbeitsordner. Kontrolliere im Schnittprogramm den tatsächlichen Medienpfad eines Clips. Er sollte nicht auf die eingelegte Karte oder einen zufälligen Downloadordner zeigen. Bei kartenbasierten Formaten ist der dafür vorgesehene Medienbrowser oft geeigneter als das manuelle Öffnen einzelner Segmente.
Prüfe Dauer, Bildrate, Auflösung und Audiokanäle. Ein zusammenhängender langer Take sollte nicht unbemerkt als mehrere unvollständige Teile behandelt werden. Wenn das Programm Medien umwandelt oder Proxys erzeugt, dokumentiere, welche Dateien Originale und welche abgeleitete Arbeitskopien sind. Ein Proxy ersetzt die Sicherung der Kameraoriginale nicht.
Fehler früh eingrenzen
Fehlt ein Clip, vergleiche zunächst Kartenordner und Kopierprotokoll. Suche nicht sofort in einer komplexen Timeline. Wenn nur eine Datei nicht geöffnet werden kann, teste sie mit dem zum Format passenden Werkzeug und bewahre das Original unverändert. Wiederholtes Umbenennen oder erneutes Speichern kann die Fehlersuche eher erschweren.
Ein kurzes Ingest-Protokoll braucht keine aufwendige Datenbank. Kartennummer, Zielpfad, Kopierstatus, Prüfung und Freigabe zur Wiederverwendung reichen für einen kleinen Dreh oft aus. Wichtig ist, dass „kopiert“ und „geprüft“ getrennte Zustände bleiben. Erst wenn die vorgesehenen Kopien und Kontrollen tatsächlich vorhanden sind, wird aus einem sichtbaren Vorschaubild eine belastbare Grundlage für den Schnitt.
Den Kartenbestand sichtbar verwalten
Lege benutzte und freigegebene Karten in getrennte, eindeutig bezeichnete Bereiche. Ein einfacher Statuszettel kann verhindern, dass jemand eine noch ungeprüfte Karte erneut in die Kamera steckt. Der Status wird erst nach den vorgesehenen Prüfungen geändert, nicht bereits nach dem Start des Kopiervorgangs. Bei mehreren Personen sollte eine benannte Person diese Freigabe dokumentieren.