Ein Sprechertext, der auf Papier verständlich wirkt, kann beim Vorlesen stolpern. Lange Einschübe, Zahlenfolgen und unklare Betonungen fallen häufig erst vor dem Mikrofon auf. Lies den Text deshalb vor der eigentlichen Sitzung laut. Markiere Stellen, an denen Luft fehlt oder ein Begriff erklärt werden muss. Die Aufnahme soll nicht durch Technik eine unsprechbare Formulierung retten müssen.
Text und Platz vorbereiten
Formatiere den Text mit ausreichend großer Schrift und sinnvollen Absätzen. Ein Seitenwechsel mitten im Satz erzeugt unnötige Pausen oder Papiergeräusche. Bei einem Bildschirm sollte der Blick nicht ständig am Mikrofon vorbeiwandern. Halte die Lesefläche möglichst in der natürlichen Blickrichtung und prüfe, ob Lüfter oder Tastatur hörbar werden.
Lege Aussprache und Bedeutung von Namen, Abkürzungen und Zahlen vorher fest. Eine Telefonnummer wird anders gesprochen als eine Messgröße. Wenn mehrere Fassungen entstehen, kennzeichne ihre Unterschiede im Text eindeutig. So wird nicht versehentlich eine alte Formulierung in die neue Aufnahme übernommen.
Einen ganzen Abschnitt testen
Nimm einen Absatz im vorgesehenen Tempo auf. Kontrolliere Abstand, Plosive, Raumklang und Aufnahmepegel. Die Stimme darf kräftig und lebendig sein, ohne die Eingangsreserve zu verbrauchen. Ein Test mit nur einem ruhigen Wort zeigt die späteren Betonungen nicht.
Entscheide, ob sitzend oder stehend gesprochen wird, und halte diese Haltung über zusammengehörige Aufnahmen möglichst konstant. Eine andere Körperposition kann Abstand und Stimmwirkung verändern. Wasser und kurze Pausen helfen bei einer längeren Sitzung, ohne dass die Person jeden Satz unter Zeitdruck wiederholen muss.
Wiederholungen mit Anschluss aufnehmen
Bei einem Versprecher beginne erneut am Satzanfang oder an einer sinnvollen Sinneinheit. Ein einzelnes nachgeliefertes Wort passt rhythmisch und klanglich oft schlechter. Lasse vor und nach der Wiederholung einen kurzen freien Bereich. Sprich bei Bedarf eine Kennung, die später klar vom eigentlichen Text getrennt wird.
Notiere gute Takes unmittelbar, aber lösche Varianten nicht vorschnell. Eine Version mit etwas anderer Betonung kann im Schnitt besser zum Bild passen. Für spätere Ergänzungen bewahre Mikrofonposition, Pegel und eine Klangreferenz auf. Höre diese vor einer Nachaufnahme an, damit Tempo und Abstand nicht unbemerkt wechseln.
Zum Abschluss prüfe, ob jeder benötigte Absatz vorhanden ist und keine Datei nur scheinbar aufgenommen wurde. Sichere die Originale vor der Bearbeitung. Erst danach folgen Auswahl, Schnitt und behutsame Klangkorrektur.
