Ein Interview im Hochformat ist mehr als der mittlere Ausschnitt eines Querformatbilds. Das schmale Bild verändert, wie viel Umgebung, Gestik und Abstand zwischen Personen sichtbar bleibt. Entscheide deshalb vor dem Dreh, ob Hochformat die Hauptfassung ist oder zusätzlich zu einer breiten Version entstehen soll.

Den tatsächlichen Ausschnitt sehen

Zeige auf dem Kameramonitor eine passende Rahmenhilfe, wenn sie verfügbar ist, oder prüfe den geplanten Ausschnitt anderweitig zuverlässig. Setze dich an die Position der interviewten Person und teste typische Bewegungen. Ein enger Brustbildausschnitt kann bei ruhiger Haltung funktionieren, aber Hände verlieren, sobald eine Erklärung gestischer wird.

Wenn gleichzeitig Querformat gebraucht wird, suche eine Komposition, die beide Fassungen trägt. Das gelingt nicht bei jedem Motiv. Zwei weit auseinander sitzende Personen lassen sich oft nicht sinnvoll aus einem einzigen breiten Bild in ein schmales Format übernehmen. Separate Einstellungen können dafür die klarere Lösung sein.

Blickrichtung und Hintergrund

Lasse in der Blickrichtung genug Raum, ohne die Person an den schmalen Rand zu drücken. Prüfe, was oberhalb und unterhalb des Gesichts erscheint. Eine auffällige Lampe über dem Kopf kann im Hochformat stärker dominieren als in einer breiten Aufnahme. Der Hintergrund sollte zur Aussage passen und den Blick nicht ständig wegziehen.

Plane Platz für Untertitel und Namenseinblendung, aber reserviere nicht gedankenlos große leere Flächen. Gestalte das gesamte Bild zusammen mit den späteren Texten. Ein kurzer Probeexport zeigt, ob Kinn, Hände, Kleidung und Untertitel miteinander konkurrieren oder die Person unnötig klein dargestellt wird.

Bewegungen und Ausschnittwechsel

Wenn die Person ein Objekt zeigt, teste dessen vollständigen Weg ins Bild. Ein Gegenstand, der im Querformat bequem neben dem Gesicht liegt, kann im Hochformat abgeschnitten werden. Bitte nicht um unnatürliche Dauerstarre, sondern passe Aufnahmeabstand und Position so an, dass die gewünschte Handlung möglich bleibt.

Automatisches Umrahmen kann im Schnitt einen Ausgangspunkt liefern. Kontrolliere aber jeden relevanten Moment. Das Werkzeug kann einem Gesicht folgen und trotzdem die erklärende Hand oder ein Produkt verlieren. Kleine manuelle Anpassungen sind sinnvoller als ein Ausschnitt, der bei jeder Bewegung hektisch nachzieht.

Prüfe die Hochformatfassung unabhängig vom Querformat mit eingeschalteten Untertiteln. Beide Versionen dürfen unterschiedliche Einstellungsgrößen und gelegentlich andere Schnittbilder verwenden. Entscheidend ist, dass dieselbe Aussage verständlich bleibt und keine Information nur deshalb verschwindet, weil die Ausgabe schmaler geworden ist.